Flusstauchen im Valle Verzasca und Valle Maggia

Welch ein Wochenende! Sonne und tolle Tauchgänge! Sichtweiten wie man sie nur aus dem Meer kennt. Und dazu noch eine Gemeinschaft von 8 Tauchern die harmonieren!

Besucht haben wir neben dem Verzasca Tal auch noch das Valle Maggia! Selten waren Tauchgänge so anstrengend! Zu den Flüssen zu kommen ist echte Arbeit und man erwischt sich dabei, sich und sein aufwändiges Hobby zu verfluchen. Aber dann… Tauchgänge die man nicht vergisst. Wer mehr darüber erfahren will, kann hier mehr zu den Tauchplätzen nachlesen.

Am Donnerstag wurde nach Aufbau der Camper zunächst das Verzasca Tal und die Tauchplätze erkundet, die Füllstation aufgesucht und Pläne geschmiedet. Der folgende Freitag begann dann sehr früh. Ab 8:30 Uhr haben wir an der Römerbrücke begonnen unser Equipment an den Fluss zu tragen. Mit Aufbau des Geräts, spannen der Sicherheitsleine, dem Tauchgang selbst und dem anschließenden Zurück sind da schon 3 Stunden vergangen. Mit nur einem Minifrühstück im Bauch und der anstrengenden Kletterei in den Beinen, kehrten wir in das Restaurant Posse ein.

Verzasca (2 von 18)Um 14:00 Uhr wurde dann die Gumpe Posse II betaucht. Mit nur kurzer Pause haben wir uns dann an die schwierigste Strecke bergab gewagt. Vielleicht lag es auch daran, dass die beiden vorangegangenen Ab- und Aufstiege schon in den Knochen steckten, der Abstieg zu Posse I fiel jedoch besonders schwer. Mittlerweile hatte sich die Sonne schon ein wenig hinter die Bergkuppen zurückgezogen, so dass der Tauchgang nicht ganz so lichtdurchflutet war wie die vorherigen. Insgesamt haben wir die Dauer für das Auf und Ab etwas unterschätzt. Die Mittagspause hätte wohl kürzer ausfallen müssen, wenn man alle drei Tauchspots bei Sonnenlicht erleben will. Um 18:30 waren wir zurück am Campingplatz.

Am Samstag war Maggia Tag! Direkt zu Anfang des Maggiatals wurde ein Tauchplatz inspiziert, der Abstieg jedoch für zu schwer empfunden (Tauchplatzbeschreibung oder Koordinaten in Maps: 46.186367, 8.756328). Die Gola del Lupo war somit die erste Station. Und was für eine! Ein einigermaßen einfacher Weg zum Flussbett. Ein toller Beginn des Tauchgangs. Aber dann eine 100m Strecke die zu Fuß mit dem vollen Equipment zurück zu legen ist! Auf glatten nassen Steinen! Aber die Belohnung kam danach. Wir hatten Glück mit der Tageszeit und das Licht traf genau in das felsige 18 Meter Tiefe Becken. Und gleich daneben donnert der Wasserfall in die Gumpe. Sind Sie schon mal unter einem Wasserfall getaucht?

Nach dem anstrengenden ersten Tauchgang war für mich Schluss. Ein großer Teil ist noch an anderer Stelle in die Maggia gesprungen (siehe Tauchplatzbeschreibung). Und Sonntag stand schon wieder die Heimreise auf dem Programm… Die Tauchplätze:

Valle Verzasca

Verzasca

Das Verzasca Tal liegt in der Schweiz im Tessin in unmittelbarer Nähe zum Lago Maggiore. Aus vielen Tauchzeitschriften bekannt kann man hier Flusstauchen in klarem aber kaltem Wasser. Sichtweiten wie man sie in den heimischen Seen nur selten findet mit einer atemberaubenden Kulisse, die bereits einem James Bond Film diente (220m hohe Talsperre Contra des Lago di Vogorno).Verzasca (1 von 1)

Wie immer bei unseren Touren ist campen angesagt. Die Campingplätze direkt am Lago Maggiore in Tenero vor Locarno sind idealer Ausgangspunkt für die Tauchplätze im Verzasca oder Maggia Tal. Von hier aus sind es nur 20 Minuten bis zur bekannten Römerbrücke. Unsere Wahl fiel auf den kleinen, nicht ganz so modernen Campingplatz Rivabella.

Flusstauchen

GumpenDie Tauchplätze an den Flüssen befinden sich in Gumpen, die – je nach Wasserstand – ein paar Meter Tiefe aufweisen, so dass darin getaucht werden kann. Meist Rauschen die Flüsse sehr breit und flach ins Tal hinab. Die Gumpen dagegen sind einzelne Becken, die sich im Laufe der Zeit durch den erodierenden Gebirgsbach gebildet haben.

Sicherheit

Getaucht wird gegen die Strömung, so weit wie es der Bach erlaubt. Allzu lang sind die betauchbaren Gumpen allerdings nicht, so dass man ein paar Runden drehen kann. Entscheidend ist der Ausstieg! Der sollte aus Sicherheitsgründen immer mit einer Leine quer über den Fluss gesichert werden, denn nach der Gumpe kann die Strömung wieder deutlich zunehmen und den Taucher in Gefahr bringen. Ebenso sollten Leinen gespannt werden, um aus dem Wasser über die glitschigen Steine ins Trockene zu gelangen! Es handelt sich um Gebirgsflüsse, die sich in Felsgestein gefressen haben. Und so steil und schwierig ist daher auch Ein- und Ausstieg! Es gibt hier Tauchplätze, an denen man sonst ohne Hilfe nicht wieder heraus kommt!

Füllstationen

Eine Füllstation befindet sich direkt in Vogorno, Val Verzasca, oberhalb der Talsperre. Das Restaurant Pizzo Vogorno gehört zum Schweizer Luftverbund, dem viele Füllstationen im Land angehören. Nach Erwerb eines Schlüssels (50 CHF Pfand) im Restaurant kann zwischen 8:00 und 22:00 Uhr selbständig gefüllt werden. Die Abrechnung erfolgt pro Liter Luft. Die Anlage ist flott mit 1000 l/min ausgestattet – die große Leistung wird mit sehr warmer Flasche bezahlt. In einem Zug sind selten 200bar in der Flasche.

Eine weitere Möglichkeit bietet das Restaurant Posse. Ideal gelegen, wenn man die gleichnamigen Tauchplätze ohnehin betauchen möchte.

Tipps

  • Die Parkplätze in der Nähe der Tauchspots sind schnell belegt. Viele Badegäste nutzen die Flüsse als Erfrischung und verbringen den Tag in den Felsen. Also früh los! Und wer einen hat: Bezahlen nicht vergessen!
  • Licht muss in den Fluss! Die beste Zeit für die Tauchgänge ist in den Mittagsstunden, wenn die Sonne in den Fluss dringt und sich nicht hinter den Felsen verfängt.
  • Lieber ein mal mehr gehen! Man muss kein Bergsteiger sein aber es ist sehr anstrengend und nicht ungefährlich. Zum Teil geht es steile Geröllhalden abwärts.
  • Kleine Flaschen reichen aus! Eine halbe Stunde auf ein paar Metern Tiefe erfordert keine 12 Liter Flasche!
  • Trocki oder Halbtrocken? Die Temperatur ist für beides geeignet – man spricht von zwischen 10 und 14 Grad Celsius in den Sommermonaten. Ich mag das einfache Anziehen meines Trockis auch wenn ich zugeben muss, dass er bei den Kletteraktionen ordentlich beansprucht wird, z.B. auf dem Allerwertesten rutschen.

Tauchplatz Römerbrücke

Verzasca RömerbrückeDie „Römerbrücke“ – Ponti dei Salti – liegt am Ortsausgang von Lavertezzo. Parkplätze sind rar aber unmittelbar an der Brücke gelegen. Man überquert die Brücke und muss sich die Felsen (nach links) herunterarbeiten. Zum Teil sind die Felsen rutschig, so dass man hier aufpassen muss nicht zu fallen.

Nach der Sicherung der Ausstiegsstelle mit einem Seil geht es ins smaragdgrüne Wasser, so klar dass man glaubt zu schweben. Die Strömung kann unterschiedlich ausfallen – in den trockenen Sommermonaten ist sie aber eher schwach. Flussaufwärts tauchend sieht man schwungvoll geformte, grauweiße Granitblöcke mit feinen Strukturen. Beim Blick nach Oben erkennt man die Felsblöcke sich über Wasser fortsetzen. Auch die Brücke selbst kann man über sich ausmachen. Gestoppt wird der Tauchgang durch eine Verjüngung und eine Stromschnelle. Gegen diese Kraft ist kein Ankommen. Hält man sich jedoch fest, kann man dem Lichtspiel zuschauen, das die Luftperlen der Stromschnelle im Wasser erzeugen. Zurück geht es schwebend über die runden Felsen. Ein einmaliges Taucherlebnis mit faszinierenden Lichtspielen!

Tauchplatz Posse II

PosseAm Restaurant Posse sind zwei Gumpen zu finden. Der flussaufwärtige Gumpen wird als Posse II bezeichnet.

Zum Tauchplatz gelangt man vom Parkplatz des Restaurants über einen schmalen Trampelpfad, der nach einigen Metern in einen felsigen Abstieg führt. Zu guter Letzt muss man über eine aufgestellte Leiter auf das sandige Plateau klettern. Nicht vergessen sollte man auch hier die Sicherheitsleine, denn unterhalb der Gumpe schießt die Verzasca deutlich intensiver durch die Granitfelsen.

Hier kann man seine Fähigkeiten im Strömungstauchen unter Beweis stellen. An einigen Stellen erfordert es der Fluss, dass man den Strömungsschatten hinter den Felsbrocken finden muss, um sich so bis unter das fallende Wasser – von einem Wasserfall zu sprechen wäre hier zu viel – zu arbeiten. Vorsicht ist hier geboten, denn hier entstehen leicht Strudel und Walzen, die den Taucher unkontrolliert umherwirbeln. Gut geschützt erlebt man hier enorme Druckwellen, die einem den Atemregler aus dem Mund reißen wollen. Auch der zweite Atemregler bläst hier unter Umständen schon mal ab, wenn der Druck auf die Membranen zu groß wird.

Ausgewaschene Felswände aus Granit machen auch diesen Tauchplatz einzigartig. Die einstrahlende Sonne lässt die Steine silbrig glänzen und die glatt geschliffenen Steine sind ein Zeichen der jahrhunderte langen Arbeit, die das Wasser verrichtet hat.

Tauchplatz Posse I

Verzasca (7 von 18)An der talseitigen Ecke des gleichen Parkplatzes führt ein Trampelpfad über ein Stück Wiese hinunter zu Posse I. Der erste Anschein trügt jedoch. In jedem Fall sollte man sich hier die Situation weiter unten anschauen. Nach der steilen, aber noch einfachen Passage über die Wiese geht es dann steil über Geröll bergab. Ich empfehle das Anbringen eines Kletterseils!

Hier sind vor allem am Einstieg Sicherheitsmaßnahmen zu ergreifen. Ein Seil vom Fels ins Wasser ist hier Pflicht! Ich habe hier Taucher gesehen, die nicht ohne Hilfe aus dem Wasser gekommen wären, weil die Steine so glitschig sind. Ebenso ist das Spannen einer Sicherheitsleine quer über die Verzasca obligatorisch. Auch hier habe ich Taucher gesehen, die in den Sog des Flusses unterhalb des Tauchbeckens gekommen sind. Das ist nicht witzig!

Hat man die Leinen angebracht, kann man sich abermals auf eine beeindruckende Unterwasserwelt freuen.

Valle Maggia

Im Maggia Tal findet man ebenso spektakuläre Tauchplätze wie an der Verzasca. Etwas anders sind jedoch die Felsblöcke geformt, die hier schroff und kantig daher kommen.

Vom Tal aus kommend findet man in in Ponte Brolla gleich zwei Tauchplätze. Zum einen gelangt man über den feinsandigen Strandabschnitt des Flusses in einen verzweigten Tauchplatz unterhalb des Wasserfalls, der einfach zu erreichen ist. Einen Parkplatz dazu findet man an der Ecke „Via Gabi in Tegna“: (Koordinaten in Maps: 46.184455, 8.748539).

Der zweite Tauchplatz befindet sich in schwierigem Terrain hinter der Brücke (Koordinaten in Maps: 46.186367, 8.756328). Hier sind gleich zwei Becken, die man betauchen kann. Der Zugang ist jedoch etwas für Kletterspezialisten. Wie man dort hinunterkommt, ist am besten bei Einheimischen zu erfragen. Nach Besichtigung des Platzes in Sportkleidung haben wir uns gegen einen Abstieg im Tauchequipment entschieden.

Gola del Lupo

Gola del LupoDer Zugang zum Fluss Maggia ist hier verhältnismäßig einfach. Einige wenige Parkplätze sind direkt an der Bushaltestelle an der Via Lavizzara, Cevio (Koordinaten in Maps: 46.186367, 8.756328) zu finden. Etwas talwärts findet sich ein weiterer öffentlicher Parkplatz.

MaggiaZwei Besonderheiten bietet dieser Tauchplatz mindestens: Man muss nach halber Strecke gute 100 Meter zu Fuß zurücklegen, d.h. mit vollem Tauchgepäck über nasses und rutschiges Felsgestein klettern. Zum anderen wird man am Ende mit einem kristallklaren Becken samt WasserfallWasserfall verwöhnt, der die ganzen Strapazen wieder vergessen macht. Ein fantastischer Ort zum Tauchen. Noch nie habe ich solche Sichtverhältnisse im Süßwasser gehabt wie in der Gola del Lupo!