Kuredu Island – Malediven

Es wurde Zeit für Urlaub! Aus 2018 konnte ich noch 6 Tage Resturlaub ins neue Jahr mitnehmen, obwohl wir Weihnachten einige Tage frei hatten. Daran ist schon zu sehen, dass die richtige Idee lange fehlte. Für 2020 ist bereits eine große Reise in die Südsee geplant, also wohin jetzt?
Die Antwort auf die Frage hat sich Zeit gelassen. Erst Ende Januar stand fest, dass nicht so eine typische Reise von uns werden sollte, bei der man von Insel zu Insel hüpft, viel sieht und erlebt. Zweck des Urlaubs sollte sein, sich zwei Wochen zu entspannen. Ein bisschen Tauchen, gut Essen, viel Schlafen und mit ’nem Cocktail in den Sonnenuntergang schauen.
Gesagt getan. Auf nach…

Kuredu Island

Nach enttäuschendem Flug mit Emirates – der Service war nicht vergleichbar mit anderen Langstreckenflügen von uns – freuten wir uns schon auf den rund 45′ langen Flug auf unsere Insel.
Unser Freigepäck bei Emirates hätte beim Inselhopper eigentlich noch zu einer ordentlichen Nachzahlung führen sollen. Allerdings haben die es schlicht vergessen zu kassieren. Die Gepäckstücke und das Gesamtgewicht wurden ermittelt und zu unserem Glück wurden die Stücke dann gleich in den LKW geladen, der zum Wassertaxi fuhr. Und das vorweg: Auch nachträglich kam da nichts mehr.

Bei Ankunft stellte sich gleich entspannte Atmosphäre ein. Ein Cocktail, der Gang in unseren Bungalow, der Blick zum Strand. Autsch! Der Blick am Strand war leider gar nichts. Unser Strandbungalow im westlichen Teil der Nordseite der Insel stand quasi in zweiter Reihe, mit Blick auf die Wasserbungalows. Vier Tage später konnten wir dann wenigstens zur Mitte der Nordseite umziehen. Aber auch hier war die Begeisterung für barrierefreies Schnorcheln und Schwimmen der Ernüchterung gewichen. Auch auf Satellitenfotos kann man die betonierten Wellenbrecher gut erkennen. In der sich daraus bildenden Bucht ist das Wasser seicht und der Boden sandig. Ab und zu verirrt sich eine Schildkröte und kleine Schwarzspitzen-Riffhaie schwimmen Patrouille. Aber zur Riffkante schnorcheln kann man getrost vergessen.

Der Besuch des Hausriffs stand zunächst auf dem Programm. Eigentlich ganz gut – könnte man zusammenfassen. Die prodivers sind gut organisiert. So werden nach simplen Spielregeln deine Tauchflaschen an das Ende vom Steg transportiert und du kannst nach eigenem Zeitplan deine Rifftauchgänge durchführen. Dazu schlappst du nur mit deinem Equipment und schon kann es losgehen.
Das Hausriff ist in passablem Zustand und wir haben gleich beim ersten Tauchgang eine Gruppe Adlerrochen gesehen. Diverse Muränen und viele große Langusten (ich hoffe bei den Krebsarten liege ich richtig). Leider wird aber zum Erhalt der Insel permanent Sand vom einen in den anderen Teil der Insel gepumpt, so dass viel Sediment im Wasser herumflog. Die Sicht war also nicht so toll, auch einige Korallen hatten es schon hinter sich.

Die Basis

Die prodivers sind gut organisiert. Aufgrund der Größe der Insel finden sich eine ganze Reihe von Tauchern ein. Auf diese Weise kann die Basis wirklich zahlreiche Angebote machen. Täglich gab es two tanks dives, also Ausfahrten mit zwei Tauchgängen hintereinander. Nachmittags wurden Einzeltauchgänge angeboten. Alle paar Tage wurden „besondere“ Touren gemacht, so wurde zum Beispiel ein anderes Atoll angefahren oder auch mal eine Ganztagestour mit drei Tauchgängen. Und wie oben erwähnt war es jederzeit möglich am Hausriff tauchen zu gehen.
Auffällig war das „Geschäftsmodell“ der Basis. Junge, europäische, meist blonde Frauen stellten das gros der Dive Guides – nicht wie vielfach sonst Einheimische.

Das Publikum war sehr gemischt, aber es waren eher weniger erfahrene Gäste – Taucher mit mehr als 300 Tauchgängen eher die Seltenheit. Sicher ist Kuredu nicht DIE Taucherinsel – das war uns bei der Buchung schon klar.

Wirklich positiv zu erwähnen ist das hohe Maß an Sicherheitsanspruch der prodivers. Klare Spielregeln, ein ordentlicher Check-dive, sehr gute Briefings zeugen von hohem Standard. Auf der Insel ist sogar eine Druckkammer. Der Sicherheitsgedanke zeigte sich jedoch auch bei den Ausflügen. Es wurden einige der Channels nicht angefahren oder die Anfahrt kurzfristig abgebrochen, weil die Strömung zu stark sei. Unsere Hoffnung auf richtig „Gebläse“ wurden daher enttäuscht. Insgesamt waren es vielleicht 3-4 Tauchgänge bei den der Riffhaken zum Einsatz kam.

Auch das Antauchen der Channels war aus unserer Sicht gewöhnungsbedürftig. Wir waren es gewohnt, außerhalb der Channels zu starten, mit der Strömung auf Tiefe zu gehen, um dann an der Riffkante des Channels den Haken zu setzen. Hier wurde in der Regel an der Riffkante entlang getaucht, was dann im Bereich des Channels zu Arbeit quer zur Strömung wurde. Das verkürzt natürlich den Aufenthalt im Channel deutlich.

Die Touren und Riffe

Die Riffe waren sehr unterschiedlich in Schuss. Bei einigen Tauchplätzen war es zum heulen. Eine graue Wüste über die man schwamm. An anderen Stellen waren die Riffe noch ganz gut beieinander. In allen Fällen aber war die Fischpopulation ganz ordentlich.

Wir haben uns konsequent auf die Touren angemeldet, bei denen es in die Channels ging, mit der Hoffnung auf große Fische. Auffällig häufig anzutreffen waren Schwarzspitzen Riffhaie, einige Graue Riffhaie aber sehr wenige Weißspitzenriffhaie. Sichtungen von Adlerrochen gab es regelmäßig und zum Abschluss noch eine tolle Begegnung mit einem Manta. Und: Nicht umsonst macht Kuredu Werbung mit der großen Anzahl Schildkröten. Wir haben sehr viele gesehen, insbesondere am Turtle Airport – direkt am Außenriff auf der Nordseite der Insel.

Tod einer Meeresschildkröte

Leider haben wir während unseres Aufenthalts auch den Tod einer Meeresschildkröte erleben müssen. Bei einer Ausfahrt hat der Captain einen großen Haufen aus alten Netzen gesichtet. Diese so genannten „ghost net“ treiben über Jahre auf dem Meer und werden größer und größer. Unser Exemplar war so groß und schwer, dass wir es mit 8 Männern nur mit Ach und Krach aus dem Wasser hieven konnten.
Bei der Anfahrt auf das große Netz haben wir schon sehen können wie eine Schildkröte ums Überleben kämpfte. Immer wieder hob sie den Kopf aus dem Wasser, um zu atmen und versuchte mit aller Kraft zu schwimmen. Sie war aber vollkommen im Netz gefangen. Glücklicherweise konnten wir diesen Meeresbewohner freischneiden und retten. Während der Befreiungsaktion mussten wir jedoch feststellen, dass eine weitere Schildkröte den Kampf bereits verloren hatte. Sie wird wohl ertrunken sein, weil sie ihren Kopf nicht mehr an die Wasseroberfläche hat bringen können.

Fazit für unsere Reise:
Alles richtig gemacht. Wir haben zwei entspannte Wochen erlebt. Den Vormittag wurde getaucht und am Nachmittag gechillt. Zwischendurch ein Cocktail und das hervorragende Essen am Abend rundeten das ganze ab. Würden wir wieder kommen? Nein. Die Insel ist für ein typisches Spiegelei auf den Malediven etwas zu groß. Außerdem fehlte uns die Möglichkeit des Schnorchelns direkt vor dem Bungalow.

Frank

Frank hat erst 2010 mit dem Tauchen angefangen. Seitdem gehört für ihn Reisen, Fotografieren und Tauchen zusammen.